Zum Gründonnerstag. Das letzte Abendmahl.

Liebe Gemeinde.

Sie sind versammelt,
staunende Verstörte,
Sie sind versammelt,
um ihn,
der wie ein Weiser sich beschließt
und der sich fortnimmt denen er gehörte
und der an ihnen              fremd                vorüberfließt

Die alte Einsamkeit kommt über ihn,
die ihn erzog zu seinem tiefen Handeln;
nun wird er wieder durch den Wald wandeln,
und die ihn lieben
werden vor ihm fliehn.

Er hat sie zu dem letzten Tisch entboten

Und als sie aßen sprach er:
Wahrlich ich sage euch:
Einer unter euch wird mich verraten.

und (wie ein Schuss die Vögel aus den Schoten
scheucht) scheucht er ihre Hände aus den Broten

mit seinem Wort:
sie fliegen zu ihm her;

Und sie wurden sehr betrübt
und fingen an, jeder einzeln ihm zu sagen:
Herr, bin ich’s?
Bin ich’s?
Herr, bin ich’s?

sie flattern bange durch die Tafelrunde
und suchen einen Ausgang

Aber er nahm das Brot
dankte
und brachs und gabs den Jüngern
und sprach:
Nehmet.
Esset.

Und er nahm den Kelch
und dankte,
gab ihnen den und sprach:
Trinket alle daraus.

Das ist mein Leib.
Das ist mein Blut.
Für Euch.
Für alle.

Und als sie den Lobgesang gesungen hatten,
gingen sie hinaus an den Ölberg.

Aber er
ist überall
wie eine Dämmerstunde.

(Collage aus Rainer M. Rilke, Abendmahl und Matthäus 26)

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