Gemeindebriefe 2021

Liebe Wohltorfer,
liebe Krabbenkamper,

so oder so ähnlich beginnen die Gemeindebriefe.

Auch die alten Briefe ab Dezember 2003 bis Dezember 2016 in unserem alten Web-Auftritt noch einmal lesen. Außerdem die Gemeindebriefe 2017, 2018, 2020, 2020.

Hier finden Sie die Gemeindebriefe 01/2021,


Januar 2021

Liebe Wohltorfer, liebe Krabbenkamper,

Foto: Pastor EnzenauerViele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes. Psalm 4,7

Das neue Jahr hat angefangen, aber ich bin noch müde vom alten. Das schreibe ich ganz ehrlich. Weil es so ist. 2020 war kein gutes Jahr, finde ich und ich bin müde davon. Und ich weiß aus Gesprächen, dass es vielen anderen – vom Konfi rmanden bis zur Seniorin – auch so geht.

„Jeden Tag gab es wahlweise Corona- oder Trump-Schlagzeilen und wenn es die nicht waren, dann waren es welche über Anti-Corona-maßnahmen-Demos, selbst ernannte WiderstandskämpferInnen wie Jana aus Kassel oder einen abwegigen veganen Kochbuchautor. Das Ganze garniert mit Inzidenzwerten und Ansteckungszahlen in bunten Grafiken. Gefühlt jeden Tag guckte man der Welt beim Verrücktwerden zu.

Und sonst? Das Übliche: Pläne machen, Pläne verwerfen, neue Pläne machen, dann wieder abwarten, gar keine Pläne machen können und dafür „gucken müssen, was passiert“, dann wieder Hygienekonzepte schreiben (für jede Veranstaltung eines), frustriert darüber sein, dass man für die Logistik und Organisation einer Veranstaltung mehr Zeit investieren muss als für die eigentlichen Inhalte usw. usw. Ganz zu schweigen davon, selbst unsicher zu sein und doch Sicherheit ausstrahlen zu sollen.
Und dabei geht es mir noch gut. Andere waren und sind von Corona & Co. noch viel schlimmer und auch existentieller betroffen als ich. Das weiß ich. Und trotzdem sage ich für mich:

2020 war kein gutes Jahr. Wenn es einen Geruch hätte, dann den von Desinfektionsmittel. Wenn es eine Farbe hätte, dann Mund-Nasen-Schutz-Blau. Und wenn es ein Roman wäre, dann wäre es ein Schauerroman.

So ähnlich redeten wir im Dezember in ruhiger Stunde am Tisch des Hauses. Und dann sagte einer: So stimmt das nicht. Du musst auch von Gutem reden!

Und dann machten wir eine Liste. Wir wollten zehn gute Dinge finden, die in den letzten Tagen passiert waren.

Viele sagen:
„Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ …

In fünf Minuten war die Liste fertig. Sie hatte elf Punkte. Darunter waren:

  • Gestern gab es eine großartige Konfi-Stunde zum Thema: Was wird mal im Jenseits sein?
  • Unsere Gemeinde war dreimal im Radio, wegen der Weihnachtsgottesdienste mit dem Trecker und wegen des musikalischen Adventskalenders von Frau Wiese und der Kantorei.
  • In den letzten Wochen war unsere Kirche jeden Sonntag zum Gottesdienst bis auf den letzten möglichen Platz gefüllt. Das sind zwischen 60 und 70 Menschen.
  • Wir haben ein großartiges Küsterteam, das mehr mitarbeitet als sonst, damit wir diese Gottesdienste feiern können.
  • Die Anmeldungen für unsere Veranstaltungen laufen wunderbar, auch weil es engagierte Hände gibt, die viel im Hintergrund organisieren.
  • Unser Projekt mit den Jugendbauwagen geht voran und findet großen Anklang bei Jugendlichen, Helfern und Spendern.

  • Und: Es gibt Impfstoffe.

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes. Psalm 4,7

Unsere Liste sorgte an diesem Abend für bessere Stimmung. Manchmal braucht es eben einen, der den Blick lenkt: von dem, was schwer auf der Seele liegt hin zu dem, was sie glücklich oder doch zumindest froh macht. Manchmal muss man das Dunkle beim Namen nennen dürfen, um dann doch darin auch die Lichtblicke zu finden, in denen Gott uns entgegenleuchtet.

Und manchmal braucht es das Gebet: Lass dein Licht leuchten, Gott, und schau auf uns – wenn wir mal müde am Tisch sitzen und wenn wir – wie jetzt – starten in ein neues Jahr. Lass du uns Gutes sehen!

Ein gesegnetes Jahr 2021 wünscht Ihnen,

Pastor René Enzenauer

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